
Letztens hatte ich eine Reflexions-Session mit einer Führungskraft. Es ging um seine Mitarbeiter. Er, gut vorbereitet. Eine Tabelle. Grün, gelb, rot. Auf den ersten Blick alles erkennbar – wer ist ein High. und wer ein Low-Performer. Und dann die Frage: „Woher bekomme ich bloß gute Leute?“
Kurzes Schweigen von meiner Seite. Und dann: „Das weiß ich auch nicht.“ Erstmal.
Was in diesem Moment in mir vorging? Es war kein Zögern. Es war ein stiller Einwand. Doch nicht die richtige Zeit, nicht der richtige Ort, ihn zu platzieren. Innehalten statt korrigieren – das war meine Devise. Es würden sich genügend Gelegenheit ergeben, das noch einmal zu beleuchten. Und eines war mir wichtig zu wissen: Diese Aussage war nicht bösartig. Sie war ehrlich. Und sie zeigte mir, wo wir anfangen mussten. Denn Kontrolle ist keine Führung – auch wenn beides auf den ersten Blick gleich aussieht.
Kontrolle fühlt sich nach Führung an
Sie ist messbar, sichtbar, bequem. Alles steht schwarz auf weiß da – oder in diesem Fall: grün, gelb, rot. Wirklich alles? Nein. Kontrolle schaut immer auf das WAS. Nie auf das WARUM.
Solange die Frage lautet „Wer performt?“ statt „Was braucht dieser Mensch?“ dreht sich das Rad weiter. Und die Tabelle bleibt, was sie ist: ein Abbild von Symptomen. Keine Antworten auf Ursachen.
Mitarbeiter wollen nicht scheitern
Sie wollen Geld verdienen, dazugehören, gesehen werden, etwas bewegen. Wenn das nicht passiert, ist meistens etwas im System kaputt – nicht der Mensch.
Systeme funktionieren ohne geschriebene Gesetze. Es sind Dynamiken, die unbewusst entstehen. Das Ziel eines jeden Systems: sich selbst zu erhalten. Das kann die Firma sein, die Abteilung, das Team – oder auch das familiäre Umfeld, das jemand jeden Morgen mit zur Arbeit bringt.
Jeder bezweckt mit seiner Handlung etwas Positives. Oft sind die Auswirkungen nur negativ.
Wenn Du tiefer in diese Dynamiken einsteigen möchtest, empfehle ich Dir meinen Artikel über Systemgesetze.
Der Job als Führungskraft: dahinter zu schauen. Nicht als Psychologe, nicht als permanenter Kummerkasten – sondern als Mensch mit echtem Interesse. Mit einer offenen, fragenden Grundhaltung.
Kontrolle oder Führung – was wirklich der Unterschied ist
Kontrolle gibt Dir vermeintliche Sicherheit. Führung gibt dem anderen Orientierung. Das sind zwei völlig verschiedene Richtungen. Eine zeigt zu Dir hin. die andere zeigt zum Menschen.
Führung bedeutet, im Dienst von etwas zu stehen. Menschen zu befähigen. Ihr Potenzial zu erkennen und zu fördern. Sie zu feiern für das, was sie können. Und die Hand zu reichen bei dem, was sie noch nicht können. Nicht Aufgaben abnehmen, nicht Lösungen vorgeben, nicht übernehmen.
Wer über Kontrolle führt, trägt eine Ritterrüstung. Sie gibt Sicherheit nach innen – aber die hält den anderen auf Abstand. Und irgendwann hört das Gegenüber auf, überhaupt noch anzuklopfen.

Prozesse brauchen Zeit. Menschen auch. Der Unterschied: Prozesse sagen Dir, was läuft. Menschen sagen Dir, warum – wenn Du fragst.
Und zwar jeden einzeln. Denn was Maria braucht, um zu wachsen, ist selten dasselbe wie das, was Thomas braucht. Wie das in der Praxis aussieht, habe ich im Artikel „Führen wie ein Gärtner“ beschrieben.
In einer Gruppe von Führungskräften war die Essenz eines gemeinsamen Prozesses bewegend einfach. Das Commitment: nicht nur Zeit in Prozesse zu investieren, sondern auch in die Menschen. Die eigene Haltung zu hinterfragen – durch Fragen wie „Was war Dein Ziel?“ oder „Wie war das für Dich?“
Diese Fragen kosten nichts. Aber sie verändern alles. Weil sie sagen: Ich sehe Dich. Nicht nur Deine Zahl.
Dabei gilt: Ich muss nicht zum Therapeuten werden. Eine Frage wie „Was ist gerade anders bei Dir?“ öffnet die Tür – ich darf zuhören; ich muss nicht hineingehen. „Das klingt herausfordernd, ich hoffe es findet sich bald etwas“ reicht oft schon aus.
Und dann kommt die Frage, die wirklich etwas bewegt: „Was brauchst Du, damit es wieder besser läuft?“ Keine Lösung. Keine Übernahme. Nur der Raum, den der andere braucht, um selbst ins Handeln zu kommen.
Das ist Selbstwirksamkeit in Aktion. Nicht verordnet – sondern eingeladen.
Und jetzt zurück zu Dir
Wann hast Du zuletzt einen Mitarbeiter oder Kollegen gefragt, wie es für ihn war – ohne schon die Antwort zu kennen oder eine Lösung parat zu haben?
Bereit, den Blick zu verändern?
Wenn dieser Artikel etwas in Dir angestoßen hat – eine Frage, ein Bild, einen Gedanken – dann lass uns darüber sprechen. In einem Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo Du gerade stehst und was Deine nächsten Schritte sein könnten.
Kostenlos · Unverbindlich · 30 Minuten
Mach’s hübsch 💕.
Nina
2 Kommentare
Autor
HiHi, vielen Dank Stella. Ich freu´ mich drauf!
Danke für den tollen Artikel liebe Nina! Ich habe die von dir geschilderten Situationen auch schon erlebt … die nächste Führungskraft in Ritterrüstung sende ich zu dir.
Liebe Grüße
Stella